Man kann Augen künstlich vergrößern, sie strahlen lassen, ihre Farbe verändern oder einfach nur Gesicht und Augen insgesamt aufhellen.
Bei der hier gezeigten Aufnahme ist das Gesicht zu dunkel belichtet, weshalb einige Photoshop-Arbeit nötig ist
Problematisch bei Low-Key-Aufnahmen oder bei Setups mit wenig Licht kann sein, dass die Pupillen sich in der Dunkelheit stark vergrößern.
Wen das stört, der kann die Iris mit Photoshop über eine runde Auswahl und das Transformieren-Werkzeug künstlich vergrößern
Das Umrunden dient dazu, Perspektiven auszuprobieren, körperliche Unzulänglichkeiten zu entdecken, Lichtrichtungen zu testen.
Außerdem kann man in dieser eher lockeren Phase des Shootings erkennen, wie flexibel ein Model auf den Fotografen eingeht und wie weit die Eigeninitiative des Models reicht (falls gewünscht).
Die Posings entwickelten sich von verspielt schüchtern bis offensiv, die Berührung mit der Hand vermittelt Sanftheit und Zärtlichkeit, also eine eher romantisch angehauchte Pose, bei der der sehnsüchtige Blick in die Kamera sehr gut zur Geltung kommt.
Es stand lediglich ein Blitzgerät mit einer große Octagonalsoftbox (160 cm) in einem Abstand von ca. zwei Metern im Raum. Die Lichtleistung des Blitzgeräts (500 Ws) war auf die Hälfte reduziert. Das Setup sorgte für weiches Licht, die fehlende Aufhellung von der gegenüberliegenden Seite lässt die Kontraste relativ stark werden, was in interessantem Gegensatz zum weichen Licht der Softbox steht.
Fotografiert wurde mit einer Brennweite von 85 mm auf erhöhter Position. Gesicht und insbesondere die Augen sind das zentrale Gestaltungsmerkmal. Die sanft den Hals berührende Hand und der in der Unschärfe liegende Strumpf sind zusätzliche Motive. Durch die erhöhte Perspektive und den relativ kleinen Abstand zwischen Kamera und Gesicht ließ sich trotz der kleinen Blende von f/11.0 mit der Schärfentiefe spielen.
Digitale Dunkelkammer und Retusche
Bei der Retusche sind relativ viele Dinge zu beachten. Bildausschnitt, Fältchen, die etwas zu kühlen Farben durch den automatischen Weißabgleich der Kamera, Tonwertverteilung und schließlich Gesicht und Augen. Die Retusche betreffende Arbeitsschritte erledigt man am besten mit Photoshop.
Obwohl die Retuschewerkzeuge von Lightroom immer besser werden, sind partielle Korrekturen wie hier der Augen nach wie vor bequemer mit Photoshop zu machen.
Lightroom ist bei diesem Bild lediglich der RAW-Entwickler, der sich um den Weißabgleich und leichte Belichtungskorrekturen kümmert.
Weißabgleich optimieren, aufhellen und Reflexe abmildern
Die Aufnahmen am Anfang der Session mit Lilly entstanden vor grünem Hintergrund, was den automatischen Weißabgleich der Kamera (Canon EOS 5D MKII) etwas aus dem Tritt brachte.
Die Farben wurden ein wenig zu kühl. Mit Hilfe der Regler Temp. und Tönung von Lightroom lässt sich die Farbstimmung und damit der Weißabgleich schnell optimieren.
Anschließend geht es noch um eine leichte Aufhellung (Belichtung, Aufhelllicht, Helligkeit) und das Abmildern von Reflexen auf der Haut mit dem Regler Wiederherstellung.
Der Rest ist Photoshop.
Zuschnitt, matte Haut, homogene Farbenund Augenkorrektur
Nachdem Sie die etwas düstere Aufnahme auf einer Ebenenkopie mit dem Ebenenmodus Negativ multiplizieren aufgehellt haben, optimieren Sie den Bildausschnitt per Zuschnitt mit dem Freistellungs-Werkzeug. Nach der Retusche von Haut und Hintergrund mittels Bereichsreparatur- und Ausbessern-Werkzeug wird die Haut weichgezeichnet und mattiert.
Dies geschieht unter Einsatz einer Ebenenmaske und dem Smartfilter Matter machen - die Feinretusche per Pinsel-Werkzeug.
Ebenfalls mithilfe eines Smartfilters verwandeln Sie die unruhige Struktur des Hintergrunds auf einer Ebenenkopie in eine homogene Farbfläche
Dazu verwenden Sie wiederum eine Ebenenmaske und den Rauschfilter Helligkeit interpolieren.
Zum Schluss werden die Pupillen des Models etwas verkleinert.
Mit Auswahlellipse-Werkzeug, Polygon-Lasso und dem Befehl Bearbeiten/Transformieren/Skalieren vollziehen Sie die Korrektur für jedes Auge extra auf einer Ebenenkopie der jeweiligen Auswahl.
[1] Zuschnitt bei Licht
Bevor Sie an einem relativ schwach belichteten Foto irgendwelche Korrekturen vornehmen, sollten Sie es in besserem Licht betrachten. Schalten Sie kurzerhand das Licht ein, indem Sie per [Strg]+[J] eine Ebenenkopie des Originals erzeugen und den Modus im Ebenenbedienfeld auf Negativ multiplizieren setzen.
Für das Beispielbild genügt dabei eine Deckkraft von 70 %. Jetzt verfügen Sie über den nötigen Überblick, um den Bildausschnitt zu optimieren. Drücken Sie - eventuell mehrfach - die Taste [C], um das Freistellungs-Werkzeug zu wählen.
Fall Sie beim folgenden Beschnitt bis zu einem der Seitenränder gehen wollen, wie hier links und rechts, stellen Sie sicher, dass die Option Dokumentbegrenzung per Ansicht/Ausrichten an per Häkchen aktiviert ist. Ziehen Sie nun mit dem Freistellungs-Werkzeug einen Rahmen um den Bereich, den der neue Bildausschnitt aufweisen soll.
Um den neuen Bildausschnitt klarer zu erkennen, können Sie in der Optionsleiste die Deckkraft des zu beschneidenden Bereichs auf etwa 85 % erhöhen beziehungsweise auch eine andere kontrastierende Farbe als Schwarz wählen. In diesem Fall kann der freigestellte Bereich (Freigest. Ber.) per Löschen angegeben werden, da das oft so nützliche Ausblenden nur Speicher kosten würde und der Ausschnitt nicht mehr verschoben werden muss. Bestätigen Sie den Zuschnitt mit der [return]-Taste.
[2] Hautbild korrigieren
Haut und Hintergrund bedürfen einiger Retuschearbeiten. Fertigen Sie zunächst per [Hochgestellt]+[Alt]+[Strg]+[E] eine neue Ebene an, die den Inhalt der bisherigen Aufhellung komplett integriert. Kleinere Pigmentflecke und Unregelmäßigkeiten des Teints beheben Sie mit dem Bereichsreparatur-Pinsel-Werkzeug, Taste [J].
Passen Sie die Pinselgröße derart an, dass der Makel komplett überdeckt wird und klicken Sie darauf.
Auch dunklere Falten im Hintergrund korrigieren Sie mit diesem Werkzeug, indem Sie eine kurze Strecke mit gedrückter Maustaste darüber malen.
Für die Falte am Kinn wählen Sie - ebenfalls mit der Taste [J] - das Ausbessern-Werkzeug.
Achten Sie darauf, dass die Quelle in der Optionsleiste aktiviert ist und erstellen Sie mit gedrückter Maustaste eine Auswahl rund um die Falte.
Dann ziehen Sie die Auswahl auf einen gleichmäßig ausgeleuchteten Bereich an der Wange links. Prompt ist die Falte verschwunden.
Um die Korrektur an das etwas rauere Hautbild des Kinns anzupassen, wählen Sie gleich darauf Bearbeiten/Verblassen und vergeben eine Deckkraft von etwa 60 %.
Mit derselben Methode retuschieren Sie auch die dunklere Schattenpartie am Kinn links.
Hier müssen Sie eventuell ein zweites Mal darüber gehen. Mit [Strg]+[D] heben Sie die Auswahl auf.
[3] Weichzeichnen und mattieren
Blitzlicht und Schärfentiefe taten ihr Übriges, um den Teint des Models porös und speckig wirken zu lassen. Kopieren Sie die fertige Retuscheebene per [Strg]+[J] und vergeben Sie mit Doppelklick auf die Bezeichnung im Ebenen-Bedienfeld den Namen Haut retuschieren.
Konvertieren Sie die Ebene in ein Smart-Objekt und wenden Sie Filter/Matter machen zur Weichzeichnung an.
Achten Sie bei den Einstellungen im Dialogfenster allein auf die Haut.
Im Beispielbild eignet sich ein Radius von 25 Pixeln bei einem Schwellenwert von 25 Stufen.
Damit der Teint nicht wie aus Wachs gegossen wirkt und noch etwas Hautstruktur zeigt, können Sie zum Beispiel mit Doppelklick auf den Schieberegler des Smartfilters im Ebenenbedienfeld den Modus auf Aufhellen stellen.
Noch gezielter steuern Sie die Weichzeichnung, indem Sie die Deckkraft der Ebene Haut weichzeichnen im Ebenen-Bedienfeld etwas reduzieren, wie im Beispielbild auf 70 %.
Um die Schärfe von Augen, Lippen, Haaren und weiteren Konturen wieder herzustellen, klicken Sie auf die Smartfilter-Maske im Ebenen-Bedienfeld.
Dann wählen Sie das Pinsel-Werkzeug (Taste [B], eventuell mehrfach klicken) und übermalen mit jeweils angepasster Pinselgröße und der Vordergrundfarbe Schwarz all jene Bereiche, die von der Maske ausgenommen werden sollen.
[4] Hintergrundstruktur beruhigen
Die unruhige Struktur des Hintergrunds lenkt unnötig vom Ausdruck des Models ab. Klicken Sie auf die Ebene Retusche und kopieren Sie diese per [Strg]+[J].
Schieben Sie die Kopie im Ebenenbedienfeld mit gedrückter Maustaste ganz nach oben und verwandeln Sie sie mit dem Befehl Filter/Für Smartfilter konvertieren in ein Smart-Objekt.
Da sich die türkisfarbene Fläche hinreichend vom Motiv unterscheidet, können Sie den Hintergrund mit Auswahl/Farbbereich einfach auswählen. Greifen Sie mit der Pipette - entweder im Vorschaufenster des Dialogfelds oder direkt im Bild - einen Farbwert des Hintergrunds auf. Fügen Sie weitere Bereiche mit der Plus-Pipette hinzu oder ziehen Sie mit der Minus-Pipette von der Auswahl ab.
Bei einer Toleranz von 46 und einem Bereich von 100 % ist der komplette Hintergrund im Beispielbild erfasst.
Mit dem Befehl Ebene/Ebenenmaske/Auswahl einblenden fügt Photoshop der Ebene eine Maske hinzu, die alles außer dem Hintergrund schützt. Klicken Sie im Ebenen- Bedienfeld auf die Miniatur des Bildes und wählen Sie Filter/Rauschfilter/Helligkeit interpolieren.
Bei einem großzügigen Radius von 60 Pixeln verwandelt sich der Hintergrund im Beispielbild in eine homogene Farbfläche.
Nach Bedarf korrigieren Sie noch Feinheiten an den Kanten nach Klick auf die Maskenminiatur im Ebenenbedienfeld per Pinsel-Werkzeug.
[5] Pupille auswählen und transformieren
Erzeugen Sie mit [Hochgestellt]+[Alt]+[Strg]+[E] eine neue Ebene, die alle bisherigen Korrekturgänge mit einschließt.
Die Pupillen des Models Lilly sind durch die Dunkelheit bei der Aufnahme stark vergrößert. Dieser „Belladonna-Blick" hat durchaus seinen Reiz, kann aber irritieren. Verkleinern Sie die Pupillen mit ein paar einfachen, doch geschickt eingesetzten Werkzeugschritten.
Dabei muss jedes der beiden Augen einzeln bearbeitet werden:
Wählen Sie das Auswahlellipse-Werkzeug (Taste [M], gegebenenfalls mehrfach drücken) und vergeben Sie in der Optionsleiste eine Wert für die Weiche Kante bei aktivierter Funktion Glätten.
Dieser Wert ist abhängig von der Auflösung des Fotos und soll später die Randpixel der Iris rund um die Pupille mit erfassen.
Für das Beispielbild mit 3744 x 5616 Pixeln eignet sich beispielsweise ein Wert von 15.
Setzen Sie nun am linken oberen Rand der Iris an und ziehen Sie einen Auswahlkreis auf, der nicht nur die Pupille, sondern auch einen Teil der Iris mit einbezieht.
Bei weit geöffneten Augen kann die Auswahl kreisrund sein - dazu halten Sie beim Aufziehen die [Hochstellen]-Taste gedrückt.
Liegen Gesicht und Augen jedoch etwas schräg im Bild, eignet sich die Form einer Ellipse besser.
Per Auswahl/Auswahl transformieren passen Sie nun die schwebende Auswahl (und nur diese ohne Bildinhalt!) dem Winkel der Schräglage an. Bewegen Sie den Cursor an einen der Eckanfasser außerhalb des Transformations-Rahmens.
Sobald der Mauszeiger den halbrunden Doppelpfeil anzeigt, drehen Sie die Auswahl mit gedrückter Maustaste in die gewünschte Richtung. Mit der [Return]-Taste bestätigen Sie die Transformation.
Damit das leicht gesenkte Augenlid nicht von der späteren Verkleinerung der Pupille betroffen wird, ziehen Sie mit dem Polygon-Lasso-Werkzeug (Taste [L]) bei gedrückter [Alt]-Taste den Bereich des Lids von der aktuellen Auswahl ab.
Hier genügt eine Weiche Kante von 5 Pixeln in der Optionsleiste.
[6] Pupille verkleinern
Kopieren Sie die fertige Auswahl von Pupille plus Irisrand mit [Strg]+[C] und setzen Sie sie mit [Strg]+[V] als Kopie ein. Dafür erzeugt Photoshop eine eigene Ebene. Wählen Sie Bearbeiten/Transformieren/Skalieren und ziehen Sie vorwiegend die unteren Anfasser links und rechts etwas nach innen.
Die Pupille wird kleiner und der Bereich der Iris größer.
Verfahren Sie genauso mit Iris und Pupille des zweiten Auges und behalten Sie unbedingt die Größenrelation der beiden Pupillen im Blick.
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