Ganz spontan, ohne die Voreinstellungen der Bridge zu verändern, wird Photoshop mit einem kleinen Trick dazu gezwungen, auch eine TIFFDatei als RAW zu interpretieren.
Dann ändern Sie nur noch die Format-Erkennung auf Camera Raw, und das Bilddokument wird im RAW-Konverter geöffnet.
Sie werden sich vielleicht fragen, ob es denn überhaupt sinnvoll ist, ein TIFF-Dokument im RAW-Konverter zu öffnen.
Nun, viele Einstellfelder sind in Photoshop gar nicht vorhanden. Denken Sie nur an die Farbbearbeitung: Camera Raw bietet acht Farbbereiche an, Photoshop nur sechs. Weißabgleich und Belichtung können übersichtlich aus einem Bedienfeld heraus geschehen - das spart Zeit, und alle Änderungen sind non-destruktiv. Wenn Sie mit einer 16-Bit-Datei arbeiten, sind ausreichend Bildinformationen vorhanden, ähnlich wie bei einer RAW-Datei, aber achten Sie auf die Farbraumeinstellungen in den Arbeitsablauf-Optionen.
Für etwas routiniertere Photoshopper gibt es einen zeitsparenden Workaround nur über das Korrekturen-Bedienfeld und die Eingabewerte.
Damit die Eingabefelder einiger Korrekturen gleich aktiviert sind, können Sie die Voreinstellung Parameter automatisch auswählen in den Korrekturen-Bedienfeldoptionen aktivieren.
Setzen Sie den Ausgabe-Wert auf 25, drücken Sie die [Tab]-Taste und setzen Sie den Eingabe-Wert auf 110.
Nun noch eine Kurvenkorrektur: Setzen Sie die Ankerpunkte, wie auf der Abbildung gezeigt. Mit der [+]- und der [-]-Taste wechseln Sie zwischen den Ankerpunkten.
Jetzt erstellen Sie wieder eine neue Einstellungsebene Farbton/Sättigung, nur diesmal ohne Färben mit den Werten 90, 50 und 0.
Möchten Sie die Eingabewerte auf den neutralen Wert zurückstellen, klicken Sie doppelt auf den Reglernamen
[4] Ordnung mit Ordner
Bevor das Ebenen-Bedienfeld zu unübersichtlich wird, können Sie die Ebenen und Einstellungsebenen in Ordner packen.
Markieren Sie alle Ebenen, die verpackt werden sollen, und ziehen Sie sie mit gedrückter Maustaste auf das Ordnersymbol am unteren Bedienfeldrand. Es ist definitiv eine Erleichterung, wenn Sie die Ordner mit einem aussagekräftigen Namen versehen.
[5] Nachthimmel
Für die richtige Dunkelheit am Himmel sorgen dann die Arbeitsschritte 1 und 2 aus dem vorherigen Workshop „Tageslichtszene bei Nacht".
Für das gewisse Restlicht am Horizont wird die Tonwertmaske mit einem Verlauf von unten nach oben über das gesamte Dokument angelegt.
Mit dem weißen Dreieck (Lichter-Clipping) können Sie die Dunkelheit nachregulieren
[6] Sternenhimmel
Wenn Ihr Nachthimmel auch von Sternen übersät sein darf, finden Sie hier eine recht einfache, aber doch überzeugende und flexible Methode, wenn nicht, überspringen Sie diese Aktion und fahren mit Schritt 8 fort.
Als Basis dient eine mit Schwarz gefüllte Ebene. Schwarz wird mit gewissen Ebenenmodi unsichtbar - wählen Sie Negativ multiplizieren. Diese Ebene wird nun per Filter/ Rauschen/Rauschen hinzufügen aufgefüllt. Sie dürfen Großzügigkeit walten lassen und die Stärke auf 400 % ausdehnen.
Nur wenn die Sterne mehrfarbig erscheinen sollen, deaktivieren Sie die Option Monochromatisch.
Das wilde Rauschen wird mit einer Schnittebene (einer eingezogenen Einstellungsebene) vom Typ Tonwerte korrigiert. Durch Heranrücken des mittleren Reglers (grau) zu den Tonwertlichtern (weiß) wird die Sternendichte justiert.
Das funktioniert nur, wenn zuvor das Rauschen mit dem Gaußschen Weichzeichner bei einem minimalen Radius von 0,5 Pixel abgesoftet wird. Der Rauschfilter füllt die Fläche lediglich mit schwarzen und weißen Punkten. Grauwerte sucht man vergebens, sie sind aber für die Tonwertkorrektur ausschlaggebend.
Als Ergebnis erhalten Sie unterschiedliche Punkte, unregelmäßig über die Fläche verteilt - leider auch in den dunklen Flächen des Motivs. Diese Sterne können Sie mit einer Ebenenmaske ausblenden.
Im nächsten Schritt benötigen Sie eine Ebenenmaske in Form des Bildmotivs.
Wenn zuvor noch kein Alphakanal erstellt wurde, blenden Sie alle Ebenen und Ordner bis auf die Hintergrundebene aus.
Tipp: Wenn Sie mit gedrückter [Alt]-Taste das Augensymbol der Hintergrundebene anklicken, werden alle anderen Ebenen ausgeblendet.
Wählen Sie das Motiv aus und speichern Sie die Auswahl ab.
Danach aktivieren Sie wieder alle Ebenen und fahren mit Schritt 7 fort.
[7] Sternenhimmel abmaskieren
Aktivieren Sie Ihre Auswahl und markieren Sie die Ebene mit dem Rauschen im Ebenen-Bedienfeld. Dieser Ebene wird nun eine neue Ebenenmaske hinzugefügt.
Dabei wird die Auswahl übernommen und gegebenenfalls invertiert. Die Sterne sind jetzt nur noch am Nachthimmel sichtbar. Leider ist es in unseren Breiten so weit gekommen, dass „Sterne bis zum Horizont" ein unbekanntes Phänomen geworden ist. Dabei konnte man vor ca. 50 Jahren sogar die Milchstraße noch leicht erkennen.
Diesem Umwelteffekt begegnen Sie mit einem Verlauf. Überdecken Sie die bereits erstellte Ebenenmaske mit dem Verlauf Vordergrundfarbe zu transparent.
Achten Sie unbedingt darauf, dass die Option Transparenz in der Optionsleiste aktiviert ist und dass wirklich die Ebenenmaske aktiviert ist. Erstellen Sie den Verlauf über die ganze Seite von unten nach oben.
[8] Lichterpfad anlegen
Lichtstrahlen, wie sie bei Langzeitbelichtungen auftreten, können Sie mit einer Pfadfüllung nachahmen. Wählen Sie das Zeichenstift- Werkzeug und erstellen Sie einen Pfad.
Im Beispiel sollen die Lichter quer durchs Bild laufen. Deshalb haben wir Anfangs- und Endpunkt außerhalb des Dokuments gesetzt. Den oder die erstellten Pfade finden Sie dann im Pfade-Bedienfeld als Arbeitspfade.
[9] Lichterfarbe und Beameffekt
Bevor der Pfad mit einer Farbe gefüllt werden kann, müssen die Werkzeugvorgaben eingerichtet werden:
1. Bestimmen Sie eine Vordergrundfarbe im Farbwähler.
2. Bestimmen Sie die Pinselgröße. Wählen Sie das Buntstift-Werkzeug mit einer Größe von 3 Px und einer Härte im mittleren Bereich, hier 66%.
3. Erstellen Sie eine neue leere Ebene. Jetzt aktivieren Sie im Pfade-Bedienfeld den Befehl Pfadkontur mit Pinsel füllen. Die zuvor leere Ebene wird mit den Buntstiftvorgaben am Pfad entlang gefüllt. Das würde auch mit Pinselvorgaben funktionieren, doch das Buntstift- Werkzeug wird so selten benötigt, dass die Einstellungen hier erhalten bleiben.
Nun zeichnen Sie die Linie mit dem Gaußschen Weichzeichner (ca. 3 Pixel) leicht weich und fügen dann mit einem Ebenenstil noch ein neonartiges Strahlen hinzu.
Neu in Photoshop CS5 und eine wirkliche Bereicherung im Dialog der Ebenenstile ist die Option, dass Sie Ihre favorisierten Stile als Voreinstellung abspeichern können.
Experimentieren Sie mit den Einstellungswerten; als Basis für das neonartige Strahlen können Sie auf die Werte der Abbildung zurückgreifen.
Auch den Farbverlauf und das Regenbogen-Preset sollten Sie unbedingt einmal ausprobieren.
[10] Ebeneninhalt transformieren
Aus einer Lichtstraße sind durch Ebenenverdopplung schnell mehrere gemacht. Wenn aber alle gleich aussehen, ist das auch nicht schön.
Erstellen Sie also entweder jedes Mal einen neuen Pfad oder passen Sie den Ebeneninhalt individuell mit Bearbeiten/Transformieren/Verkrümmen an.
Mit dem Gitter können Sie die Linie wunderbar gestalten.
Tipp: Kombinieren Sie unterschiedliche Farblinien. Einen schnellen Farbwechsel erreichen Sie mit dem Ebenenstil Farbüberlagerung.
[11] Maske zuweisen und trennen
Fassen Sie alle erstellten Lightbeams in einem Ordner zusammen. Wird der Ordner angewählt, können Sie alle enthaltenen Ebenen mit dem Bewegen-Werkzeug gemeinsam verschieben.
Sie können aber dem Ordner auch eine Ebenenmaske zuweisen und die erstellten Lichtstrahlen dann hinter dem Motiv entlanglaufen lassen. Aktivieren Sie erneut den Alphakanal mit der gespeicherten Auswahl und weisen Sie der Ordnerebene eine Ebenenmaske zu. Jede Ebenenmaske ist mit einem Verkettungssymbol an den Ebeneninhalt gebunden.
Wird der Ebeneninhalt bewegt, bewegt sich auch die Ebenenmaske mit. Für eine Repositionierung der Lichtstrahlen soll die Maske aber an der Originalposition verbleiben. Klicken Sie auf das Verkettungssymbol und deaktivieren Sie die Maske (Mausklick auf den Ordner).
Nun kann der Ebeneninhalt frei bewegt und neu positioniert werden, die Abmaskierung des Motivs ist perfekt.
[12] Scheinwerfer einschalten
Wenn die Energieversorgung des Luftfahrzeugs gewährleistet ist, können auch die Landescheinwerfer eingeschaltet werden.
Dieser Effekt soll erneut auf einer eigenen Ebene simuliert werden. Manche Filtereffekte funktionieren nicht auf leeren Ebenen, wie zum Beispiel die Blendenflecke.
Erstellen Sie deshalb eine Ebene mit unsichtbarer schwarzer Farbe. Kommt Ihnen das bekannt vor?
[13] Landelichter anschalten
Photoshop ist mit Effekten, die Gegenlicht, Reflexlichter und Blendenflecken betreffen, ziemlich schwach ausgestattet. Für den Landescheinwerfer reichen die bordeigenen Photoshop-Effekte allerdings aus.
Die Ebene wird zunächst in ein Smart-Objekt konvertiert. Dann öffnen Sie den Dialog Renderfilter/ Blendenflecke. Wählen Sie eine der vier Vorgaben aus. Versuchen Sie, im Vorschaufenster den Scheinwerfer-Hotspot ungefähr an die Originalposition im Bild zu setzen. Sollte Ihnen das auf Anhieb gelingen, wäre es toll, aber purer Zufall.
Da die Anwendung jedoch als Smartfilter erfolgt, können Sie jederzeit nacharbeiten. Ist der Hotspot erst einmal richtig positioniert, können Sie weitere Blendenflecke erstellen und kombinieren.
Die Originalblendenflecke von Photoshop sind sicherlich zu dominant und können als Smartfilter mit einer radialen Filtermaske abgeschwächt werden. Ziehen Sie den transparenten Verlauf vom Hotspot-Zentrum aus auf.
Fertig:
Ein Jet (PA200 Tornado der Bundeswehr) bei Tag verwandelt sich in eine Nachtaufnahme mit einigen Lichteffekten.
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