Grundlagen Studiotechnik: Belichtung
Die wichtigsten Lichtformen
Als „Fotograf" - ein Wort, das nichts anderes bedeutet als "Lichtzeichner" - sollte man zuerst lernen, Licht zu sehen. Die nötige Kamera- und Lichttechnik kann man sich zum geübten Werkzeug machen, Licht aber muss man verstehen lernen und sehen üben..
Lowkey

Als Lowkey-Bilder bezeichnet man Aufnahmen, in denen dunkle Töne vorherrschen und teilweise große Bereiche des Bildes in völligem Schwarz verschwinden - direkt übersetzt eine niedrige Aufschlüsselung der ausgeleuchteten und prägnant dargestellten Bereiche eines Bildes.
Dies ist gerade in der Aktfotografie ein beliebtes Gestaltungsmittel, weil es einerseits einen dramatischen Effekt erzeugen kann und andererseits die Möglichkeit bietet, dem Betrachter nicht gern gesehene Körperteile zu unterschlagen.
Man sollte allerdings eine gute Lowkey-Aufnahme nicht mit einer schlichten Unterbelichtung verwechseln, auch wenn sich mit Labortricks oder Bildbearbeitung aus unbeabsichtigten Unterbelichtungen passable Lowkey-Ergebnisse zaubern lassen. Der eigentliche Trick einer Lowkey-Aufnahme besteht im gezielt auf Konturen gerichteten Licht und einer korrekten Belichtung auf die hellsten Stellen.
Die Blende wird möglichst weit geschlossen (= hohe Blendenzahl ).
Highkey
Das Gegenteil einer Lowkey-Fotografie. Sichtbare und hell ausgeleuchtete Bereiche sind im Bildverhältnis hoch aufgeschlüsselt. Dies sollte ebenfalls nicht mit einer Überbelichtung verwechselt werden, es ist die korrekte Belichtung der dunkelsten Stellen eines Objekts. Eignet sich gut für (Akt-) Porträts, um markante Linien wie Augenbrauen, Augen und Mund zu betonen und den Rest in hellem, weißem Licht verschwimmen zu lassen. Vor allem in der Schwarzweißfotografie ist Highkey gut dazu geeignet, unreine Haut durch weiße Flächen zu vertuschen. In der Farbfotografie lassen sich damit weiche, pastellfarbene Hauttöne erzielen. Das Model wird großfl ächig und gleichmäßig verteilt beleuchtet. Die Blende wird möglichst weit geöffnet (= niedrige Blendenzahl ), um auch Überstrahlungen gestalterisch zu nutzen
Weiches Licht
Weiches Licht schmeichelt. In der Natur haben wir weiches Licht, wenn der Himmel leicht verhangen ist und die Sonne hinter Wolken oder Dunst liegt.
Dieses Licht ist viel leichter zu handeln als hartes, direktes Sonnenlicht. Vergessen Sie also das große Vorurteil, dass Sie für gelungene Outdoor-Fotos unbedingt einen strahlenden Sommertag benötigen. Im Studio wird weiches Licht durch Diffusoren erzeugt, die vor die Lichtquelle gespannt oder gestellt werden: bei professionellen Blitzausrüstungen als Blitzkopfaufsatz, auch Softbox oder kurz Sobo genannt, aus Gestänge, dunklem Stoff zum Schattieren der Umgebung und großen weißen Flächen aus Nessel-Molton, durch die das Licht fluten kann.
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Für den kleineren Geldbeutel kann man auch improvisieren, indem man z. B. milchige Plexiglasscheiben mithilfe von Deckenmontagestangen und Schraubzwingen aufstellt, um die Lichtquelle dahinter zu platzieren.
Als loses Material zum Anbringen an der Lichtquelle gibt es die „Frostfolie" , die man als Meterware beim Filmgeräteverleih (z. B. www.camcar.de) bekommt. Diese Spezialfolie ist schwer zu bekommen, hat aber den Vorteil, hitzebeständig zu sein, solange sie nicht die Lichtquelle direkt berührt.
Oder man richtet einfach seine Lichtquelle gegen eine helle Wand und nutzt die indirekte Beleuchtung als weiches, gestreutes Licht, das von der Wand zurück auf das Model geworfen wird. Auf diese Weise kann man in geschlossenen Räumen auch mit dem Aufsteckblitz weiches Licht ohne Schlagschatten erzeugen.
Hartes Licht
Hartes Sonnenlicht kann man fast als Feind der anspruchsvollen Aktfotografie bezeichnen. Steht die Sonne hoch, erzeugt sie bei Outdoor-Fotos lange Schatten auf dem Körper des Models, die meist eine unvorteilhafte Wirkung haben. Gut nutzbar ist hartes Sonnenlicht für Lowkey-Fotos, wenn man die Umgebung so nutzen kann, dass der Lichteinfall gelenkt wird. Beispielsweise kann man das Model in einem dunklen Raum fotografieren, durch dessen Fenster das harte Licht zielgerichtet fällt. Gerade bei Locations wie Ruinen oder leer stehenden Fabrikhallen lässt sich dieser Effekt gut nutzen.
Im Studio wird das harte Kunst- oder Blitzlicht für Lowkey-Fotos genutzt oder um Konturen zu betonen, gern als „Haarlicht" oder „Kranzlicht". Mit zwei harten Lichtquellen lässt sich auch die „Zangenbeleuchtung" erzeugen.
Gegenlicht
Meiner Meinung nach eine schwer vernachlässigte Möglichkeit, in der Aktfotografi e, aber auch beim Porträt, sehr ästhetische Effekte zu erzeugen. Bei Fotografen, die das Porträthandwerk klassisch (großes Hauptlicht vorn links, kleines Seitenlicht rechts, Haarlicht von links hinten) erlernt haben, erzeugt der Einsatz von Gegenlicht als Hauptlicht Reaktionen von leichter Empörung bis zu schweren allergischen Erscheinungen.
Mangels Kreativität geht ihnen dabei leider einiges verloren.Mit dem Gegenlicht lassen sich ohne Aufheller schöne Schattenzeichnungen erzeugen, die in der Aktfotografie mehr vermuten lassen, als sie wirklich zeigen, und gerade deshalb dem Betrachter viel Raum für Fantasie überlassen.
Nutzt man die Überstrahlungen (noch so ein Reizwort für Fotografen aus derHandwerkskammer) an den richtigen Stellen, kann das Gegenlicht zum wahren „Schlanklicht " werden.
Hellt man die dunkle Schattenseite aus Richtung des Fotografen mit refl ektierenden Flächen auf, erhält man eine gleichmäßige Ausleuchtung mit sehr hellem oder rein weißem Hintergrund. Dies ist auch eine Möglichkeit, um Highkey-Bilder zu erzeugen.
Als Aufheller können dabei handels übliche Reflektoren aus dem Fotofachhandel dienen, aber auch günstigere Materialien wie Styroporplatten (Weiß), Alufolie (Silber) oder die Rettungsfolie aus dem Kfz-Verbandskasten (Gold).
Mit ein wenig handwerklichem Geschick lässt sich allerlei handlichesWerkzeug basteln, ohne den finanziellen Rahmen zu sprengen.
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Stefan Weis
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