HDR-Information
HDR-Effekt mit Lightroom und Camera RAW
Hochkontrastbilder mit vielen Details sind gerade voll im Trend. Plastische Formen, malerische Wirkung, oft sehr bunte Farben und leider allzuoft graue Himmel sind Kennzeichen dieser Fotos.
In diesem Workshop erfahren Sie, wie Sie aus einem Einzelfoto diese beliebte Bildwirkung mit nur wenigen Reglern erzielen können, warum das so funktioniert und warum es manchmal nicht funktioniert.
Einstieg
Bilder dieser Machart werden immer wieder gern als „HDR-Bilder“ bezeichnet - auch wenn überhaupt kein „High Dynamic Range“ (hoher Kontrastumfang) im Spiel war. Es täte den umfangreichen Möglichkeiten von „HDR“ absolut unrecht, wenn man es nur auf einen Effekt reduzieren wollte. Aber das ist ein anderes Thema. ;-) Hier geht es um den plastischen Effekt. Nehmen wir dieses Foto eines rustikalen Backsteinbaus, das ich weitwinkelig am schönsten Ende der Welt aufgenommen habe: In Vorpommern.
Histogramm
Für den Effekt ist eines besonders wichtig: Das Bild sollte ausgewogen belichtet sein. Das ist die wichtigste Voraussetzung. Das bedeutet, dass Ihr Hauptmotiv keine überbelichteten Stellen aufweisen darf. Auch sollten die Tiefen noch Details enthalten. Fotografieren Sie im RAW-Format, haben Sie einiges mehr an Reserven, während Sie bei Nutzung von JPEG wesentlich penibler belichten müssen. Sie können dies auf einen Blick im Histogramm kontrollieren.
HDR simulieren
Im Beispiel sehen Sie, dass weder am linken noch am rechten Rand des Histogramms Tonwerte abgeschnitten werden. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, brauchen Sie kein HDR und keine Belichtungsreihe, sondern können den „HDR“-Effekt direkt und unproblematisch in Camera RAW oder Lightroom simulieren. Auf den folgenden Screenshots sehen Sie die Oberfläche von Lightroom 2. Das Ganze ist in Lightroom 1 und im aktuellen RAW-Modul von CS3 ganz genauso möglich. Wie bei der Umwandlung eines HDR-Bildes in ein normales Bild führen wir nun mit dem RAW eine Art Tonemapping durch. Das heißt, wir verringern den globalen Kontrast und verstärken dann die Mitteltonkontraste und die lokalen Kontraste, da das Bild sonst ziemlich flau wirken würde. Hier sehen Sie einen Screenshot der Einstellungen, die ich im Feld „Grundeinstellungen“ vorgenommen habe.
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Schritt für Schritt
Gehen wir das mal Schritt für Schritt durch: Zu Beginn steht wie immer der Weißabgleich. Diesen habe ich mit der Pipette auf den grauen Beton der „Straße“ vorgenommen. Jetzt kommt die Absenkung des globalen Kontrastes. Das bedeutet, dass wir die Tiefen aufhellen und die Lichter abdunkeln, damit das Bild eine fast gleichmäßige Helligkeit erhellt … ähm… erhält natürlich. ;) Das erreichen wir, in dem die Regler »Wiederherstellung« und »Aufhelllicht« so weit nach rechts ziehen, wie es das Bild zulässt. »Wiederherstellung« dunkelt die Lichter ab und »Aufhelllicht« hellt die Tiefen auf. In diesem Fall reichte »Wiederherstellung« nicht aus, jede Nuance des Himmels sichtbar zu machen. Deshalb hab ich zusätzlich die Belichtung um fast eine Blendenstufe (-0,79) abgesenkt. Nach dieser Aktion wirkt das Bild furchtbar langweilig. Flau, leblos, ABER - schön durchzeichnet.
Entgegen der Flauheit
Da das Ganze zu dunkel und zu kontrastarm erscheint, hellen wir es leicht auf (Helligkeitsregler nach rechts) und beschneiden die Tiefen für kräftige Schwarztöne, indem wir den Schwarz-Regler ein Stückchen nach rechts ziehen. Den Kontrastregler lassen wir unberührt. Den Kontrast werden wir in Kürze mit der Gradationskurve wesentlich präziser beeinflussen. Jetzt kommt wieder etwas Wichtiges: Wir wollen die Details und Formen betonen! Dank zweier in späteren Versionen von CS3 bzw. Lightroom 1 eingeführter Regler ist dies ein Kinderspiel: »Klarheit« und »Lebendigkeit«. »Klarheit« betont Helligkeitskontraste. Es verstärkt vor allem in den Mitteltönen und ohne die Farben zu beeinflussen die Kantenkontraste. Klarer Fall: Den Regler drehen wir voll auf! :-) »Lebendigkeit«. ist im Prinzip nichts anderes als der Sättigungsregler: Mit einem entscheidenden Unterschied! »Lebendigkeit« verändert die Sättigung nicht pauschal für alle Farben, sondern in Abhängigkeit von ihrer bereits vorhandenen Sättigung. Wenn Sie »Lebendigkeit« nach rechts ziehen, sättigen Sie dadurch vor allem ungesättigte Farben. Die Wirkung ist im Vergleich zur Sättigung eher subtil, jedoch werden dadurch vorher verborgene Details sichtbar. Klarer Fall: Den ziehen wir auch weit nach rechts! Mit der Sättigung müssen Sie jetzt noch ein wenig zurücksteuern, damit es nicht zu bunt wird. Das war eigentlich das Wichtigste für diesen Effekt. Ich habe noch zwei kleinere Korrekturen durchgeführt:Über die Gradationskurve habe ich den Kontrast in den Mitteltönen verstärkt.

Dunkler Himmel
Und da ich dunkle Himmel mag, hab ich diesen ordentlich abgedunkelt. Die Himmelsfarbe setzt sich aus Cyan („Aquamarin“) und Blau zusammen. In der HSL-Palette können Sie beide abdunkeln, indem Sie oben auf Luminanz klicken und dann die entsprechenden Regler nach links ziehen.
Das Ergebnis
Ja, das war es schon. So sieht es dann aus:
Falls das jetzt zu viel auf einmal war, das grundlegende Rezept ist wirklich kurz: 1. vier Regler nach rechts ziehen (Wiederherstellung, Fülllicht, Klarheit, Lebendigkeit) 2. vier Regler je nach Bild anpassen (Belichtung, Schwarz, Helligkeit, Kontrast) So einfach! ;-) Viel Spaß beim Nachbauen mit Ihren eigenen Fotos! PS: In Schwarzweiß gefällt mir das Beispielbild erst richtig. Aber das ist ein andere Thema! PPS: Auch mit einem JPEG funktioniert diese Bearbeitung. Hier ein Beispielfoto, das ich mit einem Fotohandy aufgenommen, in LR bearbeitet und die Sättigung als abschreckendes Beispiel viel zu hoch gelassen habe.
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Olaf Giermann
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