RAW-Entwicklung
Hilfe - meine Bilder verändern sich!
Als ambitionierter Fotograf nutzen Sie natürlich das Rohdatenformat RAW, haben aber ständig ein kleines Ärgernis: In Bridge oder Lightroom werden die Bilder zunächst "richtig" angezeigt, genau wie zuvor in der Kameravorschau gesehen, doch mit der "Entwicklung" verändern sich die Aufnahmen.
Hier erfahren Sie, warum das so ist und wie sie dieses Problem in wenigen Schritten in den Griff bekommen können.
Negative Voreinstellungen
In Einzelfällen ist die Lösung sehr einfach: Schalten Sie die automatische Tonwertkorrektur ihres RAW-Konverters ab! Sie finden diese in den Camera-RAW-Voreinstellungen:
Suboptimales Ergebnis
Doch oft besteht das Problem nach wie vor. In Internetforen suchen Fotografen immer wieder nach einer Lösung des für Sie unverständlichen Verhaltens von Bridge, Lightroom und Co. Obwohl alle Automatiken abgestellt wurden, wird das Bild zunächst wie erwartet angezeigt und dann folgt die Ernüchterung:
Warum nur?
In diesem Fall ist das zunächst farbenfrohe Bild etwas flauer geworden. Und ist auch gar nicht mehr so schön scharf. Wenn Sie einen langsamen Rechner haben, können Sie direkt zuschauen, wie sich das Bild verändert. Damit Sie das Problem verstehen, müssen Sie verstehen, wie eine RAW-Datei aufgebaut ist. Im Gegensatz zum JPEG ist die RAW-Datei noch kein fertiges Bild. Ohne ins Detail zu gehen: Die Datei enthält das, was der Sensor in Ihrer Kamera aufgezeichnet hat. Das sind bei dem verbreitetsten Bildsensortyp im Prinzip drei Graustufenbilder für die Farben Rot, Grün und Blau auf denen mosaikartig (im sogenannten Bayer-Pattern) je nach Farbe unterschiedlich viele Bildpunkte enthalten sind. Zu 50 % sind die Pixel grün, die andere Hälfte teilen sich Rot und Blau. Jedes der drei Graustufenbilder enthält also Lücken, so dass kein Pixel die exakte RGB-Farbe aufzeichnet. Diese wird durch Interpolation ermittelt, das heißt aus den Informationen der Nachbar-Pixel. Vereinfacht gesagt, ist das einfach eine Weichzeichnung. Erst dadurch entsteht das komplette Bild.
| Ganzen Artikel lesen... |  |
Also kurz gesagt:
RAW ist einfach wie das Negativ von früher: Es muss entwickelt werden. Immer! Und so eine Entwicklung hat erhebliche Spielräume. Denn im Gegensatz zum JPEG ist das RAW-Format nicht standardisiert. Fast jeder Kamerahersteller kocht da sein eigenes Süppchen und halten Informationen über den RAW-Aufbau geheim. Deshalb müssen die Fremdentwickler von RAW-Konvertern durch Probieren („Reverse-Engineering“) herausfinden, wie die Kameradaten in der RAW-Datei zu interpretieren sind, damit Weißabgleich, Belichtung und Farbintensitäten korrekt wiedergegeben werden. So verwundert es nicht, dass die verschiedenen RAW-Konverter aus der gleichen RAW-Datei unterschiedliche Ergebnisse liefern. Und mancher RAW-Konverter kann besser mit bestimmten Formaten des einen Kameraherstellers umgehen, als mit anderen. Jetzt wissen Sie sicher schon, was passiert, wenn sich das Bild in der Vorschau verändert: Was Sie als erste Darstellung in Lightroom/Bridge sehen, ist nur das Vorschaubildchen, das Ihre Kamera immer zusätzlich zur Anzeige auf dem Kameramonitor in die RAW-Datei speichert. Wenn sich das Bild dann wie oben gezeigt verändert, sehen Sie die Interpretation von Lightroom/Bridge. Die Programme benötigen etwas Zeit, um die RAW-Datei zu verarbeiten. Hierbei kommen - wenn Sie nichts geändert haben - die Standardeinstellungen der Programmierer zur Anwendung. Falls die Abweichungen von Ihren Vorstellungen ganz erheblich sind, bieten Ihnen Adobe Camera RAW und Lightroom folgende Möglichkeiten:
Möglichkeit 1
Sie können also die Interpretation Ihrer RAW-Dateien selbst beeinflussen! Statt jedes Bild einzeln zu korrigieren, erstellen Sie eine Vorgabe von Entwicklungseinstellungen, mit denen Sie optimale Ergebnisse erhalten. Nutzen Sie für die farbliche Feinabstimmung die oft übersehene Kamera-Kalibrierung.
Entwicklungseinstellung
Falls Sie also immer zu stark gesättigte oder eher orangene Rottöne erhalten, können Sie dies hier korrigieren. Diese Vorgabe speichern Sie und wählen Sie bereits beim Import als Entwicklungseinstellung aus der Liste.
Möglichkeit 2
Sie können andere die Arbeit machen lassen! :-) In den Adobe-Labs werden die Profile für einzelne Kameras optimiert. Diese neuen Profile befinden sich derzeit noch im Betastadium, liefern bei vielen Kameras jetzt schon erheblich bessere Ergebnisse als das ACR4.4, das Sie auf dem vorhergehenden Screenshot eingestellt sehen. Die neuen Profile finden Sie auf der englischsprachigen Adobe Labs-Seite unter http://labs.adobe.com/wiki/index.php/DNG_Profiles
Beispiel Canon
Sie müssen sich leider für den Download registrieren. Aber nach der einfachen Installation können Sie im Kalibrierpanel verschiedene Bildstile auswählen, die Sie von Ihrer Kamera kennen. Diese Wahlmöglichkeiten haben Sie beispielsweise mit einer Kamera von Canon:
Natürlich können Sie auch auf die Vorteile von RAW verzichten und einfach gleich im JPEG-Format fotografieren. Oder Sie können natürlich auch mit dem Hersteller-Konverter die RAW entwickeln. Damit können Sie exakt das Entwicklungsergebnis Ihrer Kamera erhalten. Nächstes Mal erfahren Sie, wie Sie, wie man sich im Dschungel der vielen Regler des RAW-Dialogs zurechtfindet und in welcher Reihenfolge man bei der Entwicklung am besten vorgeht.
Die passende Ergänzung zu diesem Artikel:
 | Adobe Camera Raw 153 Seiten, Softcover ISBN 978-3-7723-6256-9 Versandkostenfrei* direkt beim Verlag bestellen
19,95 € 
|

Olaf Giermann
Lernen Sie die ganze Vielfalt vom Franzis Buch- und Softwareverlag kennen